Volksbühne Berlin

Übersicht

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Mit dem Begriff des "Werks" versucht der Kulturtheoretiker Diedrich Diederichsen in Abgrenzung zum traditionellen Verständnis vom Kunstwerk eine Neubestimmung künstlerischer Produktion jenseits von Gattungszuschreibungen. "Das Werk ist eine Formel mit der man einen Zusammenhang stiften kann und zugleich dessen Grenzen bestimmen; sie sagt: Dies gehört noch dazu, dies nicht. Aus welchen (natürlich guten) Gründen auch immer."
Die Volksbühne gab in aufeinanderfolgenden Spielzeiten international renommierten Künstlern, Musikern und Theoretikern den Raum, WERKE zu schaffen, die angesichts der sich wandelnden sozialen und medialen Realität künstlerische Strategien durchdenken und Fluchtlinien für zukünftige Präsentationen entwickeln.
So folgten die Arbeitsstrukturen einiger der eingeladenen Künstler dem Prinzip der Partisanen und zielten auf die Veränderung teils gewohnter Rezeptionsstrategien. Die Auswahl der Künstler erfolgte nur scheinbar willkürlich und anlassfrei. „So kann man z.B. eine Person, einen Ort oder einen bestimmten Monat benutzen, um so festzulegen, was ein zusammenhängendes Werk ist – oder aus einem so bestimmten Zusammenhang etwas herausbrechen und etwas anderes hinzufügen. Die Ausgangspunkte müssen nicht neu sein.“ (D. Diederichsen in SPEX 2012)

Dramaturgie und Konzept: Henning Nass
 

Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Werke I / Gregor Schneider
Liebeslaube / Unsubscribe

Gregor Schneider

Liebeslaube / Unsubscribe

Gregor Schneider ist einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart und hat mit vielen Installationen und Projekten für Aufsehen und Diskussionen gesorgt, wie seinem „Sterberaum“ oder sein Projekt „Cube“ welches in Berlin nicht realisiert werden konnte.
Seit über 25 Jahren baut Schneider ein Haus seines Vaters in seiner Heimatstadt Rheydt zu einem totalen Kunstwerk „Haus ur“ um, in dem der Raum im Mittelpunkt steht: offene und abgeschiedene Räume, verschlossene und versteckte, Räume mit versetzten Böden und Decken, Fenstern vor Mauern und wieder Mauern vor Türen oder zwischen weiteren Wänden, Räume die sich drehen oder Räume die einen Menschen in die totale Isolierung verschlucken können. Dieses Haus wurde als „Totes Haus u r“ in den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig gesetzt und Schneider wurde im Jahre 2001 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet und schlagartig international berühmt.

Für die Volksbühne entwickelte Schneider nun in Folge zwei Projekte, in der er wieder die Konfrontation des Betrachters mit sich selbst sucht und zwar über die Schaffung einer „stummen Gewöhnlichkeit“, die auf Abwesenheit und Verunsicherung abzielt.
 

Liebeslaube   

15.9.2014 – 23.11.2014   

Eine Installation im Großen Haus / Rang

(Verdoppelte LIEBESLAUBE u r 19, Rheydt 1995 – Berlin 2014). Raum in Raum, Tischlerplatten auf Holzkonstruktion, 1 Fenster, 1 Lampe, 1 Wanne, 1 Heizkörper, 1 Wandschrank, 1 Bett, weiß verputzte Wände und Decke, grauer Holzboden, (416x285x315cm (LxBxH)), Haus u r, Rheydt 1995, Volksbühne Berlin 2014. Standort: Zuschauerraum/Rang. Zugelassen für ausschließlich 2 Personen je Abendvorstellung.

Freie Besichtigungsmöglichkeit 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn. Zutritt je Vorstellungsbesuch für 2 Personen = 36 €
Achtung: Erschwerter Zugang durch einen Tunnel (Maße: ca. 80cm x 90cm)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Gregor Schneider
 

Unsubscribe   

5.12.2014 – 19.12.2014   

Eine Installation vor dem Hauptportal

Von 5. bis 19. Dezember 2014 war anlässlich der 100-Jahrfeier der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Gregor Schneiders neueste Arbeit in Berlin zu sehen. UNSUBSCRIBE bezeichnet eine Ab-Schreibung, den Austrag aus einem historischen Register.
Die in Berlin gezeigte Arbeit GEBURTSHAUS ist ein Bestandteil von UNSUBSCRIBE – nach CRYO-TANK und LIEBESLAUBE die damit dritte Arbeit Schneiders an der Volksbühne.
Seit der Diskussion um den CUBE VENICE (2005) und STERBERAUM (2011) werden die Arbeiten Schneiders stärker nach gesellschaftlich relevanten Inhalten befragt. Auch sein TOTES HAUS u r im deutschen Pavillon (Biennale Venedig 2001) wurde als politische Aussage gedeutet. Im Jahr 2014 hat er mit der Verwandlung der Synagoge in Stommeln und mit GEBURTSHAUS den Fokus vom Innenraum auf das Gesamthaus verlagert.
Schneiders gebaute Räume stellen die Frage nach dem originalen, dem eigentlichen Raum: Was macht die Authentizität eines Raumes aus? GEBURTSHAUS stellt die Frage auf überraschende Weise neu. Sie bezieht sich auf den Raum, in dem am 29. Oktober 1897 Paul Joseph Goebbels geboren wurde. Eröffnung am 5.12. 2014.

GEBURTSHAUS ist eine Kooperation mit Zachęta – Narodowa Galeria Sztuki / Zachęta – National Gallery of Art // www.zacheta.art.pl
 

© Gregor Schneider


Gregor Schneider entwickelte, aufgrund diverser Absagen von Behörden im Genehmigungsverfahren für Zulassungen der einzelnen Entwürfe (Straßenbauamt, Bezirksverwaltung, etc.) eine Reihe von Arbeiten für die Volksbühne. Eine Dokumentation der unterschiedlichen, nicht realisierten, Projekte, ist unter diesem Link einsehbar.

ÄSTHTETIK DES SCHEITERNS

http://www.volksbuehne-berlin.de/praxis/eroeffnung_unsubscribe/


Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Werke II / Ragnar Kjartansson
Der Klang der Offenbarung des Göttlichen

Ragnar Kjartansson

Der Klang der Offenbarung des Göttlichen

Premiere: 19.2.2014 / noch laufend im Spielplan.

Ein Gastspiel in Reykjavik / Island im April 2014 hat stattgefunden, außerdem ist ein Gastspiel in Montreal / Kanada für März 2016 in Vorbereitung. Außerdem gibt es Anfragen aus New York und London.

Ein Theaterstück von Ragnar Kjartansson mit einer Komposition von Kjartan Sveinsson, aufgeführt vom Deutschen Filmorchester Babelsberg und dem Filmchor Berlin

Dies ist ein „überromantisches“, theatralisches, dramatisches, minimales, musikalisches Stück. Auf der Suche nach einer vergangenen Welt, um etwas Neues, vielleicht Schönes, zu finden – Bolschoitheaterhafte Malereien ohne Narration, symphonische Erhabenheit ohne einen Fluchtpunkt, nur die Essenz, ein Gefühl. Und so wie es der Titel nahelegt, ist dieses Stück vor allem eine musikalische Produktion – eine Symphonie mit tableaux vivants. Ausgehend vom Roman „Weltlicht“ des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness, begab sich der isländische Künstler Ragnar Kjartansson auf eine Reise in die Vergangenheit des Theaters. Im Zentrum von Laxness' Roman steht ein armer Poet mit reinem Herzen auf der Suche nach künstlerischer Erfüllung und nach der vielleicht unmöglich zu findenden, absoluten Schönheit.
In Laxness' Literatur fällt der Schönheit der isländischen Natur eine große Rolle zu und sie führt zu delirierenden Erkenntnissen der Protagonisten. Wie in kaum einem anderen Land beseelt die Natur die Bevölkerung, ist Ursprung der die Gesellschaft konstituierenden Sagas, alten, teils mündlich überlieferten Geschichten der Vorfahren.
Das Stück steht in Tradition der „Pictorial Music Plays“, die Sir Hubert von Herkomer, ein britisch-deutscher Maler, Bildhauer, Musiker, Theater- und Filmemacher, Ende des 19. Jahrhunderts erfand. Er hatte die Vision, das Theater vom Drama zu lösen. Der Stücktext wurde ersetzt durch die Zeremonie und das gesprochene Wort durch das Lied.
Schauspieler waren nicht mehr nötig – Theatre Solitude. Kjartan Sveinsson, ehemaliges Mitglied der berühmten isländischen Postrock-Band Sigur Rós, entwickelte für dieses Projekt eine Komposition für ein großes Orchester und einen Chor.

Ragnar Kjartansson: „Ich bin im Theater aufgewachsen, da meine Eltern Schauspieler, Regisseure sind, und hatte immer Ehrfurcht vor seinen nicht-narrativen Anteilen, den abstrakten Bestandteilen einer Probe, der zeremoniellen Mystik eines Durchlaufs, wenn keine Schauspieler auf der Bühne sind, sondern nur Objekte und Kulissen agieren. Ich arbeite an einer Hommage an den Mechanismus und den formalistischen Teil des Theaters. Dieses Stück wird Theater ohne Darsteller oder Schauspieler sein, nur die Elemente Bühne und Musik benutzen. Ich schreibe an einer Hommage an die Maschine, das bedeutet, Theatermalereien und Kulissen. Monumentale Bewegungen und symphonische Klänge. Die konstant zerfallende Kulisse und die großen Akkorde. Die Inszenierung wird in einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Orchester und dem Theater entstehen, als die Weltpremiere einer symphonisch-theatralischen Arbeit, die einige Vorläufer in der Kunstgeschichte hat.“


Soprano: Alba Vilar
Alto: Ines Muschka
Tenor: Johannes Klügling  

Mit: Filmorchester Babelsberg und Filmchor Berlin

Regie & Bühne: Ragnar Kjartansson
Komposition: Kjartan Sveinsson
Maler: Victor Cilia, Thorvaldur Gröndal, Lilja Gunnarsdóttir, Axel Hallkell Jóhannesson, Ingjaldur Kárason, Ragnar Kjartansson
Mitarbeit Bühne: Axel Hallkell Jóhannesson
Licht: Johannes Zotz
Dirigent: David Thor Jónsson
Ton: Jörg Wilkendorf
Dramaturgie: Henning Nass
 

 © Thomas Aurin

Anlässlich dieser Produktion zeigte die Volksbühne zur Einführung in die Arbeitspraxis Kjartanssons am Sonntag, den 2. März, von 12.00 - 24.00 Uhr dessen Arbeit:

BLISS

Von Mittag bis Mitternacht drei der bewegendsten Minuten der Musik Mozarts, zwölf unendliche Stunden lang.
Für seine einmalige Live-Aufführung am 19. November 2011 von “BLISS” erhielt Ragnar Kjartansson den renommierten “Performa  Award“ in New York. Die  Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz präsentiert nun zum ersten Mal in Europa (neben einer weiteren Präsentation in der Reykjaviker Galerie i8) den von Ragnar Kjartansson hergestellten HD Mitschnitt der Aktion. Kjartanssons Kunst zeichnet sich durch eine perfekt getimte Vermischung von Repetition, Musik, darstellender Kunst, sowie biographischen Details aus und er gehört zu den gefragtesten Künstlern seiner Generation. „BLISS“ ist eine zwölfstündige Oper, die die delirierende finale Arie aus Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ aus dem Jahre 1786, eine der schönsten Stücke Musik, die Mozart je komponierte, von Mittag bis Mitternacht ohne Unterbrechung endlos wiederholt; kleinere Abweichungen ergeben sich nur dann, wenn die Aufführenden Erfrischungen benötigen.
Durch die scheinbar endlose Dehnung des knapp  fünf-minütigen musikalischen, erzählerischen und visuellen Höhepunkts der Oper nähern sich die Zuschauer, sowie die Künstler  einem euphorischen Zustand, der den letzten emotionalen Zustand der Protagonisten in Mozarts Oper bei weitem übertrifft. Im finalen vierten Akt Contessa, perdono  bittet der Graf die Gräfin um Vergebung  für seine arroganten Fehler, die sie ihm schließlich gewährt und endlich können alle feiern.

Es sind nur wenige Zeilen: GRAF (kniet nieder) O Gräfin, verzeih mir! Verzeih mir! GRÄFIN Wie könnt ich denn zürnen, mein Herz spricht für dich. ALLE So blühet uns allen das herrlichste Glück! usw.

Die Aufführung fand auf der Bühne eines traditionellen Theaters statt und imitiert den Stil der Verschwendung traditioneller Opern, mit einem kompletten Orchester, einer aufwendigen Rokoko Kulisse, einem großen Ensemble (auch Kjartansson selbst) und mit dem berühmten isländischen Tenor Kristján Jóhannesson, den Kjartansson einmal kennen und bewundern gelernt hatte, als er als Teenager hinter der Bühne des isländischen Nationaltheaters arbeitete.
Die Volksbühne zeigt den Film auf der Hinterbühne, die Zuschauer können 12 Stunden in Sitzsäcken dauerentspannen oder auch nicht, denn ein permanenter Ein- und Ausstieg  ist möglich.

„If something is boring after two minutes, try it for four. If still boring, try it for eight, 16, 32, and so on. Eventually one discovers that it´s not boring at all, but very interesting”
John Cage

Fotos

Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

WERKE III / Markus Öhrn
Porn of Pure Reason

Markus Öhrn

Porn of Pure Reason

Premiere 14.5.2013 zzgl. 5 weiterer Vorstellungen als Rundgang durchs ganze Haus

„Die Herkunft dieser Bilder ist skandalös, weil für mich die Welt skandalös ist“
Hans Bellmer

Stellen Sie sich eine Szene vor, in der zwei Leute ficken. Nur zu – Sie können das!
Diese monotone, mechanisch wirkende Sequenz läuft weltweit auf unzähligen Bildschirmen zugleich ab. Die Szene hat massenhafte Entsprechungen, alle ähnlich, fast identisch. Sie flimmern über unzählige Bildschirme. Es sind Urbilder des Menschseins mit magnetischer Anziehungskraft. Wir betrachten die sich bewegenden Körper, und wenn die Schemen auf Muster stoßen, die tief in uns verankert sind, dann … löst das etwas aus. Ein Haken, der sich verfängt, ganz ursprünglich und unverfälscht. Die Wirkung ist simpel, die Folgen aber sind es nicht.
Nun stellen Sie sich folgende Szene vor: Ein Paar vor dem Bildschirm. Sie streiten. Obwohl sie die Bilder verabscheuen, können sie sich ihnen nicht entziehen. Die sexuelle Erregung ist enorm. Wer könnte die grandiose Komplexität dieses Moments leugnen – und wer könnte diese Szene menschlichen Seins nuancierter beschreiben? Wir können es nicht. Pornografie ist Teil unserer Lebenswirklichkeit, sie ist allgegenwärtig. Deshalb unser Angebot: Tauchen Sie ein in ein visuelles Labyrinth, gefüllt mit ungeschliffenen Gefühlen pornografischer Erfahrung. Wir führen Sie durch das Spiegelkabinett Ihrer Erregungen und Abneigungen, denn das Spektakel findet in Ihnen selber statt!

Der Eingang zu PORN OF PURE REASON war in der Linienstraße 227, rückseitig zum Haupteingang. Eintritt war, aufgrund des pornographischen Materials, erst ab 18 Jahren zugelassen.
Die Veranstaltung fand als Führung durch verschiedene Räume der Volksbühne statt (Rechtes Seitenfoyer, Großes Haus, 3. Stock und andere). In den Juni-Vorstellungen von PORN OF PURE REASON übernahm der Regisseur Markus Öhrn die kommentierte Führung durch seine Performance.  
 

Mit: Brigitte Cuvelier (Spieler/Guiding), Andriana Seecker (Spieler/Guiding), Janin Stenzel (Spieler/Guiding) und Tanya Erartsin (Voice)

Regie: Markus Öhrn, Pekko Koskinen
Text: Pekko Koskinen
Ausstattung: Nina Peller
Kostüm: Ulrike Köhler
Sound: Andreas Catjar
Licht: Johannes Zotz
Dramaturgie: Henning Nass

Produktionsleitung: Pamela Schlewinski
Übersetzungen: Lilian-Astrid Geese
Licht: Hans Hermann Schulze
Ton: Wolfgang Urzendowsky
Tonmischung: Robert Hefter
Video: Konstantin Hapke
Requisite: Moritz Marquardt

 


© Thomas Aurin

Ergänzend zum Markus Öhrn Projekt fand am, Freitag, den 24. Mai 2013 um 20.00 Uhr im Roten Salon die Veranstaltung

Why porn now? –Why not?

mit Philip Siegel und seinem Buch: Porno in Deutschland –Reise durch ein unbekanntes Land statt.

Wie die Ethnologie uns lehrt, kann man die eigene Kultur nicht wirklich verstehen.
William Gibson

Ein Jahr lang ist der Autor Philip Siegel durch ein „unbekanntes“ Deutschland gereist, das Deutschland der Porno-Dreharbeiten, der weiblichen und männlichen Darsteller, der Profis und Amateure, der Regisseure und Produzenten, der unterschiedlichsten sexuellen Fantasien und Sub-Genres wie Gang-Bang, SM, Fetisch, Swinger, der zahllosen billigen Amateurclips, der wenigen Hochglanz-Produktionen, der so genannten Frauen- und der Schwulen-Pornos. Er entwirft ein Gesamtbild pornographischer Produktion in Deutschland (dem weltweit zweitgrößten Markt für Pornographie) und bricht mit zahllosen Klischees und Vorurteilen, die nach wie vor das Bild der Branche in der Öffentlichkeit bestimmen. Bei seinen im Belleville Verlag publizierten Berichten wird deutlich: Pornographie ist in Deutschland oft mehr als nur ein Geschäft. Denn ohne die Widersprüche von Geld und Lust, Inszenierung und Spontaneität auszublenden, zeigt sich: Porno kann für deren Protagonisten zu einem Freiheitsraum der Experimente, der Wagnisse und der Selbsterfahrung werden – ein Gegengewicht zu gesellschaftlichen Verpflichtungen und Zwängen. Gesprächspartnerin: Simone Scherer, ehemalige Porno-Darstellerin und Regisseurin.
 

Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Werke IV / Theo Altenberg
MUTTER MUND VATER LAND

Theo Altenberg

MUTTER MUND VATER LAND

Eine Vorstellung am 10.12.2014 im Großen Haus

Text-/Sprach-/Gesang- und Soundcollage mit Theo Altenberg, Burnt Friedman und Jaki Liebezeit

Theo Altenberg, Künstler, Autor und Performer lebte von 1973 - 1990 in der von
Otto Muehl (Künstler und Mitbegründer des Wiener Aktionismus) gegründeten Kommune am Friedrichshof, wo er das utopische Gesellschaftsexperiment mitgestaltete und den Alltag als Photokünstler, Schauspieler, Kurator und Filmemacher begleitete.  Zahlreiche seiner Ausstellungsprojekte und Arbeiten befassen sich mit der Analyse von psychosozialen Prozessen und mit der Transformation von Sprachen und Bedeutungen. Kollaborationen (u.a. mit Joseph Beuys und Paul McCarthy) sind sein bevorzugtes Arbeitsfeld.  In den 90er Jahren gründet er die electronic music Projekte ODER NICE und DAS ES.
Jaki Liebezeit, 1968 – 1978  Drummer der legendären Band CAN und  Burnt Friedman, der auch der Betreiber des Labels NONPLACE ist, arbeiten mit Konzentration und Eleganz an einer stillen Überschreitung musikalischer Idiome und verzichten dabei auf alle Destruktions- und Dekonstruktionsgesten.
Ihre in Zyklen angelegten, ungeraden Rhythmen verzahnen mit atemberaubender Präzision Sequenzen, Trommeln und Synthesizer; Gespieltes und Programmiertes. So entstand  eine seltsam abstrakte Ritual-Musik zwischen Trance, Dub, Differenziertheit und Reflektion. Gemeinsam entwickelten die Protagonisten eine psychedelische Collage mit zwei Programmpunkten:

1. MUTTER MUND VATER LAND

    Theo Altenberg & Burnt Friedman       
    HÖR KINO mit Videoprojektionen
    mit Texten von Theo Altenberg / Karl Iro Goldblat / Djuna Lou Finidee / Lee Lozano /
    Konrad Bayer / Günter Brus / u.a.

2. Secret Rhythms - Live Konzert

    Burnt Friedman & Jaki Liebezeit       

Mit freundlicher Unterstützung von FRIEZE d/e


© Josefine Rob
 

Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

WERKE V / Werner Herzog
Eroberung des Nutzlosen - Der Dschungel in uns

Werner Herzog

Eroberung des Nutzlosen - Der Dschungel in uns

19. & 20.10.2012 Großes Haus

Nachts, von irgendetwas
aufgescheucht, schrien die
Hühner wie gestochene
Schweine. Ein Flugzeug flog
über mich nach Norden davon,
und ich lag lange wach,
weil ich eine Stimme in mir
nicht zum Schweigen bringen
kann, die mir sagt, es fliege
seinem Absturz entgegen.


Werner Herzog ist ein weltweit bekannter deutscher Regisseur. Ein "Soldat der Kunst", dessen fünf Filme, die er von 1972 bis 1987 mit Klaus Kinski realisierte, wie Monolithen in der europäischen Filmlandschaft stehen. Mit seinen Filmen und dokumentarischen Arbeiten zeigt er sich als einer der wichtigsten Chronisten der Gegenwart, ein Anthropologe des Kinos. Bis heute realisierte er 62 Filme, von denen in den letzten 25 Jahren nur drei in die deutschen Kinos kamen. "Es spielt keine Rolle. Für mich nicht, für die Filme nicht und für Deutschland auch nicht." In Amerika ist er längst zu einem Mythos des visionären Kinos avanciert.
Für die Volksbühne entwickelte Herzog zwei exklusive Abende, an denen er aus Notizen zu seinem wohl berühmtesten Film "Fitzcarraldo" las, die eine Reise in die Abgründe des Menschen und die Unabdingbarkeiten künstlerischer Produktion beschreiben.
"Berichte von Dreharbeiten – sie sind kaum je erwähnt – sind diese Texte nicht, und auch Tagebücher sind sie nur im weitesten Sinne: Sie sind etwas anderes, eher innere Landschaften, aus dem Delirium des Dschungels geboren. Aber auch dessen bin ich nicht sicher."
Die Abende wurden unter der Leitung der niederländischen Musiker Ernst Reijseger (Cello) und Harmen Fraanje (Piano), des senegalesischen Musikers Mola Sylla (Vokals), sowie dem traditionellen sardischen Ensemble 5 Tenores de Orosei musikalisch begleitet. Das Ensemble wird vom Musikverlag Winter & Winter GmbH München vertreten.
Die beiden Abende waren eine Improvisation. Wie beim Jazz. Aufgeführt wurde dasselbe Material – jeweils anders interpretiert.

Regie: Werner Herzog
Bühne: Ulrich Bergfelder
Musik: Ernst Reijseger, Harmen Fraanje, Mola Sylla, 5 Tenores de Orosei – Pietro Pala, Tonino Carta, Massimo Roych, Mario Siotto und Gian Nicola Appeddu
Unter Mitwirkung von Sabino Martiradonna, Lucki Stipetic (Werner Herzog Film GmbH) und Stefan Winter (Winter & Winter)
Dramaturgie: Henning Nass
Ausstattungsleitung: Caroline Rössle Harper
Regieassistenz: Sebastian Klink
Ton: Wolfgang Urzendowsky
Video: Jens Crull
Beleuchtung: Frank Novak, Johannes Zotz


 

© Thomas Aurin

Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

Werke VI / Harald Falckenberg
„Aus dem Maschinenraum der Kunst“

Harald Falckenberg

Gesprächsreihe „Aus dem Maschinenraum der Kunst“ im Roten Salon


# 1    Harald Falckenberg im Gespräch mit Monica Bonvicini

Am 28.9.2012

Harald Falckenberg, Jurist, Essayist und Kunstsammler, plante für die Volksbühne eine eigene Gesprächsreihe in lockerer Folge, fortlaufend über die kommende Spielzeit hinweg, die er selbst moderierte. Er versteht Kunst als eine Reibungsfläche am offiziell Sanktionierten, sie soll Anstoß erregen und das kann sie nur, indem sie auch präsentiert wird. So macht Falckenberg seine Sammlung in einem eigenen Museum und in Kooperation mit den Hamburger Deichtorhallen publik und veröffentlicht, was er über Kunst denkt. Über die Bedingungen ihrer Produktion und Rezeption, über die immanenten komplexen Zusammenhänge oder die psychische Disposition von Sammlern und Künstlern. Nun wird er auch darüber reden.

Als ersten Gast bat er Monica Bonvicini in den Roten Salon der Volksbühne. Die italienische Bildhauerin und Künstlerin - die 1999 mit dem Goldenen Löwen der Biennale ihrer Heimatstadt Venedig ausgezeichnet wurde - eröffnete am 8. September 2012 eine Ausstellung mit Zeichnungen, Collagen und Text- sowie Installationsarbeiten in der Sammlung Falckenberg in Hamburg. Falckenberg hat mit ihr über Ihre Arbeit im Blick auf den Begriff des "Topoklasmus" diskutiert.

„Das Schöne, Gute und Wahre in der Kunst interessiert mich nicht besonders. Den Künstlern geht es um die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Und die kann hässlich ausfallen.“ (Harald Falckenberg)


# 2    Harald Falckenberg im Gespräch mit Nicolaus Schafhausen und Michael Neff

Am 2.4.2013

Noch nie wurde in Kunst so viel Geld investiert wie heute, noch nie gab es so viele Sammler, Galeristen, Kenner und Künstler – ausgerechnet in Zeiten der Krise scheint diese Entwicklung keine Grenzen zu kennen. Jungen Künstlern, die am Markt nicht reüssieren, bleibt kaum eine Wahl. Sie müssen sich diesem System unterwerfen, um über die Runden zu kommen und Karriere zu machen. Doch für wen ist diese Entwicklung förderlich? Geben die horrenden Auktionspreise einen reellen Blick auf die Lebenssituation von Künstlern und Galeristen? Ist die teuerste Kunst wirklich die beste? Und was hat eine solche Diskussion überhaupt in einem Theater zu suchen? Der Frankfurter Galerist Michael Neff, ehemaliger Leiter der Fine Art Fair Frankfurt und Koordinator des Berliner Gallery Weekend, sowie der Kurator, Kunsthistoriker und Kunstmanager Nicolaus Schafhausen, u.a. verantwortlich für den Deutschen Pavillon der Biennale Venedig 2007 und 2009 und Leiter der Kunsthalle Wien, versuchten, im Gespräch mit Harald Falckenberg diesen und anderen Fragen nachzugehen.

"Jeder Idiot kann ein Bild malen, doch nur ein Genie kann es verkaufen" (Samuel Butler).  


# 3    Harald Falckenberg im Gespräch mit Wolfgang Müller und Rocko Schamoni, anschl. DJ-Set Gereon Klug (Golden Pudel Club)

Am 30.11.2013

Harald Falckenberg unterhielt sich mit: Wolfgang Müller, Künstler, Autor (Subkultur Westberlin 1979–1989) und Musiker (Die Tödliche Doris) sowie Rocko Schamoni, Musiker, Autor (Dorfpunks), Clubbetreiber (Golden Pudel), Entertainer (Studio Braun) und Schauspieler (bald in Helges neuem 00 Schneider) über den Stellenwert der Subkultur im heutigen Kulturbetrieb.
Im Anschluss an das Gespräch und die Publikumsdiskussion gab es Musik vom bekannten DJ Gereon Klug (Hamburger Pudel Club).


# 4    Harald Falckenberg im Gespräch mit Gregor Schneider und Ulrich Loock

Am 15.9.2014

 „Ich baue Räume“ definiert Gregor Schneider, der unheimlichste Künstler der Gegenwart, wie er genannt wurde, seine Arbeit. Entscheidend für jede Übertragung von Freuds und Heideggers Begriff des Unheimlichen auf Schneiders Werk ist die Art, wie beide die Destabilisierung der Vertrautheit als eine räumliche Erfahrung begreifen. Schneider sucht die Konfrontation des Betrachters mit sich selbst über die Schaffung einer Situation, die auf Abwesenheit und Verunsicherung abzielt. Über diese Beweggründe seiner Arbeit, aber auch über die Entwicklungslinien seiner Kunst wurde an diesem Abend diskutiert.


# 5     Harald Falckenberg im Gespräch mit Thomas Demand

Am 6.2.2015

Thomas Demand, 1964 in München geboren, ist ein Künstler, der u.a. Tatort- und Pressefotografien detailgetreu aus Papier nachbaut, um diese dann zu fotografieren.
Die entstandene „zweite“ Fotografie wird dann, nach der Zerstörung des Papiermodells, ausgestellt. Meist baut er diese Modelle direkt nach einer Vorlage, manchmal aber auch aus seiner Erinnerung heraus. Das Modell ist oft so groß wie der abgebildete Gegenstand auf der Vorlagefotografie oder aber das Modell wird so groß gebaut wie die Maße der später entstehenden Fotografie. Vielleicht kann man Demand als einen Illusionisten bezeichnen, einem Erfinder einer neuen Wirklichkeit, die verstörende Abbilder unserer scheinbaren Wirklichkeit entstehen lässt. Soviel zu seiner künstlerischen Praxis. An dem Abend wurde über diese Praxis, als auch über die Verortung Demands im Kunstmarkt gesprochen, sowie die Funktionen desselben offen gelegt. Das alles unter reger Beteiligung des Publikums.


# 6    BAYREUTH: EIN MISSVERSTÄNDNIS? Harald Falckenberg im Gespräch mit Jonathan Meese

Am 16.5.2015

Der Jurist, Essayist und Kunstsammler Harald Falckenberg, der in lockerer Folge eine Gesprächsreihe zum Thema Kunst bei uns führt, wird am 16.5.2015  Jonathan Meese als Gast begrüßen.

Jonathan Meese, ist einer der berühmtesten deutschen Künstler seiner Generation.

Sein Werk umfasst Malerei, Skulpturen, Collagen, Videokunst, Performances, Theaterarbeiten, Textarbeiten usw. und wird in allen wichtigen Institutionen weltweit präsentiert. Harald Falckenberg war einer seiner ersten Sammler und ist ein profunder Kenner Meeses „privatmythologischer“ Kunst.
In Meeses Kunstkosmos spielt nicht nur Richard Wagner eine große Rolle, sondern auch Klaus Kinski, Stanley Kubrick, Adolf Hitler, Scarlett Johansson, Napoleon, Zardoz, Kapitän Ahab, Saint Just, Nietzsche, Mussolini, Mad Max, Gabriele D´Annunzio und zahlreiche weitere Figuren aus Geschichte, Popkultur, Mythologie und Heldensagen.

Jonathan Meese wurde von den Bayreuther Festspielen eingeladen, im Jahr 2016 die Neuinszenierung des „Parsifal“ zu übernehmen, doch im November 2014 trennten sich die Festspiele plötzlich von ihm, mit dem Vorwand sein Konzept sei angeblich nicht finanzierbar; Meese selbst hatte für eine evtl. Überschreitung des Etats haften und diesen aus eigenen Mitteln ausgleichen wollen.

Über sein Konzept, welches er nur durch die Veröffentlichung einiger weniger Skizzen publik machte, wird nun gerätselt: Was wäre das für ein Parsifal gewesen? In welcher Welt hätte dieser stattgefunden? Wäre es zu einem Gewitter aus Hakenkreuzen gekommen, oder zu einer reinen, sich der Musik Wagners aufopfernden Interpretation? Einer Revolution der Kunst?

Meese wollte nach eigener Aussage Richard Wagner dienen, sein Auftrag war Erz-Pflicht im Namen der Diktatur der Kunst, er wollte den Kern der Religion in Wagners letztem Werk durch Kunst ersetzen.
Auf das dieses Gespräch endlich Klarheit schafft!


Eine Veranstaltung in der Reihe WERKE I-VI. Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

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