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KEINER IST BÖSE - KEINER IST GUT
Verdacht, Verrat, Verzweiflung Verdacht, Verrat, Verzweiflung ist Rainer Werner Fassbinders Antwort auf die Frage, wie man politisch wird. Er filmt das Scheitern der Emanzipation und wie die Leute an ihrer Unterwerfung hängen, wie sie es genießen, sich und andere kaputt zu machen, wie sie bleiben statt zu gehen, Liebe mit Erziehung und Abhängigkeit verwechseln: Sozialer SM. Fassbinders Energie für das Kaputtgehen speist sich aus seinem romantischen Antikapitalismus, aus dem Glauben, dass wir etwas verloren haben. Vor der Nacht war das Licht der Liebe. So einfach ist das. Deshalb muss man schlichte Stories erzählen. Das Melodram politisch und Hollywood kritisch drehen. Fassbinders negative Energie kam außerdem aus dem Willen, die geile Abfahrt des enfant terrible zu nehmen. Ein Auftritt mit begrenztem Effekt. Aber immerhin. Kein Schwulenfilm, sondern die Gesellschaft homosexualisieren. Kein Ausländerfilm, sondern der Migrant als Liebesobjekt, den die Leute kaputt machen wollen. Kein Frauenfilm, sondern ihr Körper als Metapher für Abhängigkeit - was tendenziell doof gelaufen ist, weil damit eine herrschende Metapher verdoppelt wurde. Oder beginnt hier der Hass gegen das Bestehende? Mit der Verdopplung des Unerträglichen? Nicht entlarven, sondern zuspitzen? Zärtlichkeit fürs Kaputte statt Kritik der Tat. Und dann der linke Film, Warnung vor Hypermissionarismus und Moralismus, vor Feigheit, die sich als Aktivismus tarnt, Sinnterror von linken Spießern. Wenn Fassbinder die andere Seite der Linken sein wollte, dann weil es die eine Seite schon gab. Videosplitter und Diskussion mit Gästen, kuratiert von Katja Diefenbach und Stephan Geene. Mit: Margit Czenki, Diedrich Diederichsen, Christine Groß, Hangover Ltd.*, Sophie Huber, Marietta Kesting, Rene Pollesch, Angie Reed, Ute Schall, Marc Siegel, Volker Spengler, Tatjana Turanskyj, Aljoscha Weskott, Tamer Yigit. Am 30. Mai im Großen Haus. Die-Fassbinder-im-Zeitalter-seiner-technischen-Reproduzierbarkeit-Geburtstagsfeier |