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Der Bauch

von Kurt Bartsch, Musik Henry Krtschil


Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, und seine Geliebte Inessa Armand stritten sich 1915 heftig in einem Briefwechsel über das Verhältnis von Liebe und Gesellschaft und wie beide ihre Vollendung im Kommunismus finden könnten. „Die Forderung nach der freien Liebe rate ich ganz fallen zu lassen“ schreibt der verheiratete Lenin der revolutionären Vorstreiterin in Liebesdingen und schlägt etwas scheinheilig als Modell für die Zukunft eine „proletarische Ehe“ zwischen „zwei“ Leuten mit „Liebe“ vor. Nach dieser Vorgabe sollte es im Sozialismus gleichermaßen produktiv wie sittsam zugehen. Leistung im Arbeitsleben hier, geordnete und die Produktivkraft stabilisierende Familienverhältnisse dort. Die DDR-Wirklichkeit sah bekanntermaßen anders aus und dieser widmete sich der Schriftsteller Kurt Bartsch in seinem Komödien-Singspiel „Der Bauch“. Auf der Baustelle wird das Küchenmädchen Anna schwanger. Aufgrund ihrer zahlreichen intimen Beziehungen könnte fast jeder der Arbeiter der Vater sein – auch der Kaderleiter und der Brigadier. Männer, deren „proletarische Ehe“ zu Hause durch das Bekanntwerden der Affäre aufs Spiel gesetzt wäre, vielleicht sogar das ganze System des Sozialismus ins Wanken käme. Mit sanften Erpressungen der sich vor väterlicher Verantwortung entziehenden Männer versteht es Anna jedoch, sich Vorteile in Zeiten des Mangels zu sichern. Die liebevolle Geschichte über List und Lust und wie sich beide mit der Ökonomie verbinden, bringt Andreas Merz im Foyer des Praters auf die Bühne.

  

Mit: Andreas Frakowiak, Inka Löwendorf, Florian Lukas und Kurt Naumann Skubowius

Regie: Andreas Merz
Bühne und Kostüme: Samuel Hof
Musikalische Bearbeitung: Felix Raffel

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