Bop House (AT)
Kurdwin Ayub
Die Spielfilme Mond und Sonne der kurdisch-österreichischen Filmemacherin, Drehbuchautorin und Performance-Künstlerin Kurdwin Ayub interessieren sich für gebrochene Familiendynamiken, den westlichen Blick auf muslimisches Leben, junge Frauen und das Patriarchat. Sie sind so nah an gegenwärtigen Wirklichkeiten erzählt, dass sie streckenweise dokumentarisch anmuten. Dabei spielen immer auch Möglichkeiten und Zwänge von Internet und Social Media eine entscheidende Rolle. In ihren frühen Videoarbeiten, Miniaturen im Youtube-Stil, performt Ayub in einem privat wirkenden Setting direkt in die Kamera und spielt angstfrei mit Erwartungshaltungen, Rollenzuweisungen und Genderklischees. Ihre neue Arbeit an der Volksbühne spielt in einer Content-Creator-Wohngemeinschaft. Dort inszenieren – inspiriert vom real existierenden Bop House – Influencerinnen Inhalte für die Erotik-Social-Media-Plattform Only Fans. „Bop“ ist ein üblicherweise abwertend verwendeter Slang-Begriff für Personen und vor allem Frauen, die viele Sex-Partner:innen haben. Im Bop House haben sich die Frauen das Schimpfwort angeeignet. Eine Selbstermächtigung, mit der sie provozieren – und auch Geld machen. Auf für alle Seiten unbequeme Weise erzählt Ayub in ihrem zweiten Theaterstück von Gruppen-Dynamiken, Social-Media-Performance und verschwimmenden Wirklichkeiten.