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House Wash von Florentina Holzinger und Team – Spielzeiteröffnung und Ausblick

House Wash von Florentina Holzinger und Team – Spielzeiteröffnung und Ausblick

Bahar Kaygusuz

Bahar Kaygusuz

Am 1. Oktober startet die neue Spielzeit an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Doch bevor sich die Pforten öffnen, verpassen Florentina Holzinger und ihr Team dem Haus erst noch einen ordentlichen Herbstputz. Die Volksfälle brechen hervor, das VOLKSBAD verabschiedet sich. Deswegen springen wir bereits am 29. September zum letzten Mal ins Wasser und beenden den Sommer im VOLKSBAD mit einem gemeinsamen Eisbaden, bevor House Wash die Volksbühne für den Neustart bereitmacht.

Für einen Neustart, der auch die Auseinandersetzung mit Diskriminierung, Rassismus und Öffentlichkeit fortsetzt, die bereits in den letzten zwei Monaten rund um die Volksbühne geführt wurde. Ein rechter medialer Shitstorm hatte es Anfang August im VOLKSBAD unmöglich gemacht, eine Ferienveranstaltung für Schwarze Jugendliche sicher und ohne Störung durch rechte Streamer durchzuführen. Die Breitenwirkung rechter politischer Positionen in Deutschland führen auch die Ergebnisse der Landtagswahlen der letzten Wochen vor Augen. Gleichzeitig bilden sich allerorts solidarische Initiativen und zivilgesellschaftlicher Widerstand, die Hoffnung machen. Die Notwendigkeit, sich zu vernetzen und demokratische Institutionen und Akteur*innen gegen Angriffe von rechts zu verteidigen, treibt viele der neuen Reihen im Roten Salon an.

Wer die Normalisierung menschenfeindlicher Positionen verstehen will, muss ihre medialen Verbreitungswege kennen. Um deren Strategien und GEHEIME PLÄNE aufzudecken, haben wir uns mit dem Medienhaus CORRECTIV zusammengetan, das am 8. Oktober seine neuen Rechercheergebnisse vorstellen wird. Jean Peters lädt zum Gespräch. Die Veranstaltung ist zurzeit ausverkauft. Tickets für die zweite Veranstaltung der Reihe unter dem Titel Uphill Battle Rechtssystem am 1. November sind ab sofort erhältlich.

Wie wichtig es ist, sich zu verbünden, diskutiert im Wahlherbst 2026 die Reihe Mapping the Right. Die erste Veranstaltung findet am 17. Oktober mit regionalen Kulturakteur*innen statt, die faschistische Narrative und ihre fatalen Folgen auf Kulturinstitutionen und -initiativen beobachten, aufzeichnen und „mappen“. Im Fokus steht die solidarische Vernetzung mit denjenigen, deren Arbeit von demokratiefeindlichen Kräften bedroht wird.

Die erste Folge von Berlin Review x Volksbühne: Fire From All Sides am 27. Oktober widmet sich unter dem Titel Beyond The Trauma Script – How Can the Left Start Winning Again? und einem Jahrzehnt nach dem Brexit und Trumps erstem Wahlsieg der Frage, wie die Linke ihren Sinn für Klassenpolitik und kollektives Handeln verlor, während die Rechte fast alles gewann – und wie ein politischer Neustart aussehen könnte. Mit dabei sind Catherine Liu, die Autorin von Traumatized, die Politikwissenschaftlerin Lea Ypi, die Sozialtheoretikerin Sarah Stein Lubrano und Editor Tobias Haberkorn.

Sich bereit zu machen, heißt auch, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und konstruktiv zu streiten. Der Podcast don’t read theory hat innerhalb kurzer Zeit eine breite Fanbase gewonnen, weil hier angstfrei und unverstellt über innerlinke Diskurse debattiert wird. Am 24. Oktober laden die beiden Hosts Ayşegül und Valentin bei don’t eat theory zum streitbaren Thema Heterofatalismus in den Roten Salon ein. Denn beim Essen kommt man bekanntlich am einfachsten ins Gespräch.

Im Roten Salon wird jedoch nicht nur geredet, sondern auch gesungen: Bei der bereits bekannten und vielgeliebten Reihe Demo Tape. Ein politischer Song Salon am 10. Oktober wird diesmal als Gast Yasmin Polat die Bühne bereichern. Zusammen mit den Hosts Fatima Çalışkan und Martin Kaluza erforscht Yasmin Polat, ob Musik vielleicht der Schlüssel zu der in dieser Zeit dringend benötigten Selbstliebe ist, und lädt ein, es mit lautem Mitsingen auszuprobieren.

Weitere Reihen und Literaturformate im Roten Salon im Oktober 2026


Wir freuen uns, mit euch gemeinsam die neue Spielzeit und neue Intendanz zu eröffnen.

Mit Blick auf den hoffnungsvollen historischen Wendepunkt 1989 und seine globalen Protestbewegungen starten wir in die neue Spielzeit mit der Premiere von House of Hopes von Rimini Protokoll am 1. Oktober mit einem Perspektivwechsel: Was passierte im Jahr des Mauerfalls weltweit? Die Architektur des Hauses wird zum Schauplatz für zehn internationale autobiografische Erzählungen. Neben Expert*innen aus verschiedenen Ländern der Welt und Volksbühnen-Allstar Sir Henry sind auch die neuen Ensemble-Mitglieder Till Gedack und Corey Scott-Gilbert zu erleben. Nach der gemeinsamen Hausbegehung, bei der die vereinende Kraft von Hoffnung zur Debatte steht, laden wir euch zum Feiern in unseren Foyers, Parkettcafés und in der Kantine ein. Der Eintritt ist frei, Musik wirdְ’s geben. Auf die Hoffnung!

Auch die Eröffnung des Praters am 2. Oktober mit der Premiere von Anta Reckes Perfection nach dem Roman von Vincenzo Latronico, in einer Fassung von Anta Recke, geht auf die Suche nach Perspektiven – gemeinsam mit Inga Busch, Ted Gaier, Marie Goyette, Benjamin Radjaipour, Damian Rebgetz und Joyce Sanhá. Wie ist es, angezogen von digitalen Versprechen der Selbstverwirklichung nach Berlin zu kommen, nur um dann festzustellen, dass solche Bilder genau dann zerfallen, wenn sie Wirklichkeit werden? Die Volksbühne kehrt mit dieser Inszenierung in den Prater an der Kastanienallee zurück, fast zehn Jahre nach seiner Schließung. Tickets für zwei Zusatztermine von Perfection im Oktober sind ab sofort online erhältlich. Zur Wiedereröffnung des Praters lädt SHEENA IS ab 23:00 Uhr zur Punk Drag Open Stage Night. Der Eintritt ist frei.

Den Abschluss der Eröffnung bildet Mononoke am 3. Oktober: Ensemblemitglieder Julia Riedler, River Roux, Gro Swantje Kohlhof und Rosa Lembeck begeben sich auf eine surreale Heldinnenreise, in der eine mythische Welt japanischer Geister und Götter auf die Realität einer Eisenwarenkauffrau trifft. Auf der Suche nach der Befreiung von den Flüchen der Vergangenheit begegnet sie Gestalten und Geschichten, die nicht immer nur Hoffnung machen. Autorin und Regisseurin Satoko Ichihara verbindet in ihrer ersten Berliner Arbeit die japanische Puppenspieltradition Bunraku mit gegenwärtigen antipatriarchalen Kämpfen und der faszinierenden bildnerischen Welt der Künstlerin Mire Lee, deren kinetische Skulpturen bereits auf der Biennale in Venedig oder in der Turbine Hall der Tate Modern zu sehen waren. Wenige Tickets sind noch online verfügbar.