Den Anfang macht am 10. Oktober die bewährte Reihe Demo Tape in der fünften Ausgabe mit Yasmin Polat. Gemeinsam mit den Hosts Fatima Çalışkan und Martin Kaluza begibt sie sich auf eine Forschungsreise zum – vielleicht unerreichbaren – Gipfel der Selbstliebe. Yasmin Polat, erfolgreiche Podcasterin und Autorin, bekannt unter anderem durch Link in Bio – Der Family Chat und Skandal Skandal sowie durch ihren Debütroman Im Prinzip ist alles okay, bringt eine furchtlose Gesellschaftskritik mit. Sie bespricht unbequeme und tabuisierte Themen, ohne dabei den Humor und die Popkultur aus dem Blick zu verlieren. Und weil Selbstliebe nicht nur eine Frage des Denkens ist, wird an diesem Abend auch gesungen: Das Publikum ist ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen. Und wer nicht will, darf zuhören.
In einer Zeit, in der die Konzentrationsspanne oft gerade noch für ein 90-sekündiges Reel reicht, kehrt die Reihe 20 Minuten zu einem älteren und kreativeren Format zurück: der Lecture-Performance. Seit den 1960er-Jahren verbindet sie Vortrag, Performance und künstlerische Recherche und eröffnet performativ Zugänge zu Themen, die sich nicht in einem frontalen Vortrag erschöpfen sollen. Zum Auftakt der Reihe am 15. Oktober nehmen die Autorin und Performerin Olga Hohmann, Komponist*in Ethan Braun und die Künstlerin und Regisseurin Kristina Kusmina Dreit die Bühne ein, für jeweils – wer hätte es gedacht – 20 Minuten.
Das zweimal jährlich erscheinende Delfi Magazin veröffentlicht am 16. Oktober im Roten Salon seine siebte Ausgabe. Eine verheißungsvolle, vielleicht auch verhängnisvolle Zahl, der sich das gesamte Heft widmet, statt wie sonst einem einzelnen Wort. Die Mitherausgeberin Fatma Aydemir lädt die Autor*innen Nava Ebrahimi, Lütfiye Güzel und Giorgio Ferretti ein, ihre eigenen Texte zu lesen und anschließend gemeinsam zu besprechen. Dem Selbstverständnis von Delfi folgend, wird Literatur dabei als Ausgangspunkt verstanden, „der Verbindungen, Überschneidungen, Ähnlichkeiten und Abstoßungen erzeugt“.
Auch eine weitere Reihe setzt ihre Tradition an der Volksbühne fort: In Zusammenarbeit mit unserer Nachbarinstitution, dem Theaterverlag des Suhrkamp Verlags, werden neue Stücke gelesen, besprochen und performt. Am 21. Oktober präsentiert The Drama Is Present das erste Theaterstück von Heinz Helle: Prisma Bros. Wie der Titel bereits verrät, geht es um Bros – und um ihre Begegnung mit dem eigenen Ich aus der Kindheit. Wie hat sich das Selbstbild eines weißen, mittelalten cis-Mannes seit der Jugend entwickelt? Wie wird Mann toxisch? Im Spiel mit der Vergangenheit und dem Jetzt entsteht ein Rhythmus der Auseinandersetzung. Trotz aller Toxizität bleibt dabei viel Raum für Humor und Ironie. Prisma Bros wird in der Spielzeit 2026/27 am Staatstheater Kassel uraufgeführt. Moderiert von Ruth Feindel, Lektorin beim Suhrkamp Theater Verlag, gibt es am 21. Oktober bereits erste Einblicke in den Text und Hintergrund der Prisma Bros.
Am 27. Oktober startet die neue Reihe Berlin Review x Volksbühne: Fire From All Sides. Unter dem Titel Beyond the Trauma Script – How Can the Left Start Winning Again? fragt der Gründungsredakteur und Mitherausgeber der Berlin Review, Tobias Haberkorn, gemeinsam mit drei Gäst*innen, wie die Linke ihren Sinn für kollektives Handeln und Klassenpolitik zurückgewinnen kann. Catherine Liu, Autorin von dem neu erschienenen Buch Traumatized – The New Politics of Public Suffering, untersucht, wie Trauma und Viktimisierung heute als politische Strategien eingesetzt werden – und wie sie dabei solidarische Strukturen erschweren können. Sarah Stein Lubrano, Autorin von Don’t Talk About Politics und Head of Research am Future Narratives Lab, widmet sich der Frage, warum die politische Debattenkultur zum Scheitern verurteilt ist und wie Menschen politisch erreicht und aktiviert werden können – eben nicht allein durch die richtigen Worte. Abgerundet wird das Panel durch Lea Ypi, Autorin von Frei, Aufrecht und Die Architektonik der Vernunft, und Professorin für politische Theorie an der London School of Economics.
Die zuletzt als Parole Text:Buch bekannte Reihe der Buchpremieren wird unter neuem Namen fortgeführt: Read the Room. Am 28. Oktober entführt uns Ilija Matusko in jenes Dazwischen, das Migration so häufig mit sich bringt: kein richtiges Ankommen, kein endgültiger Abschied, geteilte Familien, verschiedene Herkünfte und multiple Heimaten. In seinem Debütroman JUGO beschreibt Matusko einfühlsam die Spannungen, Auseinandersetzungen und Annäherungen zwischen Vater und Sohn, wohnhaft in alten, neuen und wieder-Heimaten.
Das transnationale Festival MEDUSA – Zeitgenössische Dramatik und inklusive Identitäten in Europa startet im November seine diesjährige Festivalsaison in Berlin – bei uns im Roten Salon. Anschließend ist das Festival in Sofia und Neapel zu Gast. In allen drei Städten werden sechs ausgewählte Texte als szenische Lesungen präsentiert. Im Auswahlprozess, der während einer italienischen Residenz stattfand, wurden Texte aus allen drei Ländern besonders unter folgenden Gesichtspunkten ausgewählt: lokale Auseinandersetzung mit Identitäten, Fragen von Zugänglichkeit und Sichtbarkeit marginalisierter Positionen im Theater und Übersetzung – sowohl im sprachlichen Sinn als auch im Transfer über lokale Kontexte hinaus. Die Regisseur*innen und künstlerische Co-Leitungen des Schauspielhaus Wien, Marie Bues und Tobias Herzberg, richten zwei der Lesungen ein, in denen es um Identitäten und Erfahrungen von Fremdheit und Zugehörigkeiten gehen wird. Der dritte Abend wird von der Regisseurin Salome Dastmalchi eingerichtet und dreht sich um Gemeinschaft, Rausch und Gewalt.
Falls ihr am Eröffnungswochenende noch kein rosa Papier in die Hand gedrückt bekommen habt, kommt hier nachträglich die rosa-herzliche Einladung: Der neu gegründete Friends of Rosa Förderverein sucht noch neue Freund*innen, mit denen gemeinsam das Theater angeschaut, kritisiert und geliebt werden kann.
Der Verein unterstützt die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in ihren künstlerischen Visionen, initiiert Diskursveranstaltungen zu gesellschaftlichen Debatten und organisiert einmal jährlich eine gemeinsame Reise zu ausgewählten Theaterinszenierungen oder Festivals, in Begleitung von Intendant Matthias Lilienthal.
Im Geiste der Entstehungsgeschichte der Volksbühne, die Anfang des 20. Jahrhunderts durch einen Verein der Arbeiter*innenbewegung erbaut wurde, setzt Friends of Rosa auf vereinte Kräfte, progressive Allianzen und Solidaritäten. Alle Interessierten sind eingeladen, sich dem Freund*innenkreis anzuschließen.
Mehr Infos: volksbuehne-berlin.de/freundinnenkreis
Kontakt: friendsofrosa@volksbuehne-berlin.de